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Pheline meetz Allen Jones

Pheline meetz Allen Jones

Er zählt zu den international bedeutendsten und bekanntesten britischen Künstlern. Er war in den 60er Jahren entscheidend am Durchbruch der Pop Art beteiligt. Nächstes Jahr feiert Allen Jones seinen 80. Geburtstag. Aktuell zeigt die Galerie Levy in Hamburg die Ausstellung Maîtresse des renommierten britischen Pop Art Künstlers noch bis zum 23. Dezember. In London lebt er mit einem Kater unter einem Dach. Genügend Gründe für ein paar Zeilen über und ein Interview mit Mister Jones.

Die Werkschau in der Hansestadt basiert auf dem 1976 produzierten Film des französischen Filmregisseurs und -produzenten Barbet Schroeder „Maîtresse. She will open your eyes“ mit den Schauspielern Gérard Depardieu und Bulle Ogier. Karl Lagerfeld kreierte die Kostüme und Allen Jones designte das Filmplakat, auf dem eine verführerische blonde Domina im Lackoutfit mit Lederpeitsche zu sehen ist. Die Maîtresse scheint Jones in ihren Bann gezogen zu haben, denn er hat sie wieder und wieder gezeichnet, gemalt und studiert bis 2015. Die dominante Frauenfigur hat sich mit Peitschenknall in einer eigenständigen Werkgruppe in Jones Œuvre verewigt.

Der aus Southhampton stammende Pop Artist studiert Ende der fünfziger Jahre am Londoner Royal College of Art u.a. mit Malern wie R. B. Kitaj und David Hockney Kunst. Er liest Nietzsche, Freud und Jung. Daraus entwickelt sich schnell ein Faible für das Sexuelle und das Verhältnis von Mann und Frau. Die Jahre 1964/65 verbringt Allen Jones in New York. Dort entdeckt er Motive aus Fetischmagazinen für seine Malerei. Es entstehen zahlreiche Bilder und Druckgrafiken von Damenbeinen in sehr hochhackigen Schuhen.

Im Umfeld der dreckigen und lauten Metropole werden seine Figuren aggressiver. Drängen sich die erotisierten Gestalten anfangs nur aus seinen Gemälden heraus – erreichen nicht nur sie, sondern auch der Künstler selbst 1969 den Durchbruch: Mit der Skulpturenserie Hatstand, Table and Chair erobern aufreizende, lebensgroße und realistisch wirkende Frauenfiguren aus Stahl und Fiberglas als Möbel losgelöst von der Leinwand den Raum – und Allen Jones die Kunstwelt. Gunter Sachs, Kunstsammler-Pionier und ehemaliger Gatte von Brigitte Bardot, besaß so ein Set. Es ging 2012 für den Rekordpreis von 2,6 Millionen Britische Pfund bei Sotheby`s unter den Hammer. Die Beschäftigung mit dem Fetischismus und der Obsession zieht sich wie der Faden eines roten Wollknäuls durch Jones Werke.

Seit 1980 hat er eine Vielzahl von Großskulpturen aus Stahl geschaffen, die u.a. in London, Shanghai und Hong Kong in der Öffentlichkeit stehen. In den letzten 40 Jahren hat er Lehrtätigkeiten an verschiedenen Kunstakademien in den USA, Kanada und Deutschland ausgeübt. Er ist Mitglied der Royal Academy of Arts in London und Ehrenkurator des British Museum. Seine Arbeiten werden regelmäßig in Museen und Galerien weltweit ausgestellt und sind in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Der Künstler lebt mit seiner Ehefrau Deirdre Morrow und Kater Cyrus in London.

Das Bild zeigt mehrere Skizzen des Popart Künstlers Allen Jones mit dem Sujet Maitresse.

Maitresse Storyboard III, Bleistift auf Papier, 2011-14

In der aktuellen Ausstellung sind neben großformatigen Arbeiten auf Leinwand, Zeichnungen, Studien auf Papier, einer neu entstandenen Siebdruckserie und einem skulpturalen Werk die oben erwähnten High Heel-Grafiken zu bewundern – meine persönlichen High-Lights und das folgende Interview…Meow!

Pheline: Mr. Jones, was war das beeindruckendste Erlebnis für Sie als Künstler und als Privatperson?
Allen Jones: New York in den 60ern und Vater von Zwillingen zu sein.

P: Bitte beschreiben Sie Ihre Kunst in so wenigen Worten wie möglich.
J: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Farbigkeit und Inhalt zu schaffen.

P: Bitte charakterisieren Sie kurz Ihre Persönlichkeit.
J: Obsessiv, aber im Kern optimistisch.

P: Welchen Künstler bewundern Sie?
J: Picasso.
P: Warum?
J: Die Bandbreite seiner malerischen Erfindungen ist beeindruckend.

P: Wo liegt der größte Unterschied in der Kunst seit Sie begonnen haben und heute?
J: Bei den Zeichnungen. Sie wurden damals ausschließlich von Hand gefertigt.

P: 2014 sagten Sie während eines Interviews für ‚The Guardian‘: „Ich wurde zum Sozialisten erzogen und verstehe mich als Feminist und brauche meine politische Haltung nicht zu verteidigen.“ Was bedeutet Feminismus für Sie und haben Sie Ihre Definition seit Sie 1969 die Skulptur-Serie Hatstand, Table and Chair produzierten modifiziert?
J: Feminismus ist Selbstbestimmung. Für mich hat sich in seiner Bedeutung nichts verändert.

P: 1976 haben Sie das Poster für den französischen Film „Maîtresse – She will open your eyes“ von Barbet Schroeder designt. Karl Lagerfeld kreierte die Kostüme dazu. 2015 präsentierten Sie in Ihrer Ausstellung „Colour Matters“ das Britische Topmodel Kate Moss als eine Art moderne Galionsfigur aus poliertem Edelstahl. Es gibt Bilder von Ihrer Ehefrau Deirde Morrow in einem grünen extravaganten Body von Issey Miyake. Für Naomi Campbell`s Collector’s Edition entwarfen Sie einen Acryl-Mutiple in Form eines Dekolletés. Ob direkt oder indirekt – ab und zu gibt es Verbindungen mit Modeikonen. Was verstehen Sie unter Mode?
J: Mode bedeutet, das Selbst umzugestalten.

P: Was sollte jeder Mensch erlebt haben?
J: Geschlechtsverkehr

P: Welches ist Ihr Lieblingsbuch:
J: Also sprach Zarathustra (Anmerkung Pheline: ein poetisch-philosophischer Roman von Friedrich Nietzsche)

P: Welchen Film schätzen Sie besonders?
J: Der dritte Mann (Anmerkung Pheline: Britischer Schwarz-Weiß-Thriller von  Carol Reed aus dem Jahr 1949)

P: Welche Art von Musik mögen Sie?
J: Gitarrenmusik

P: Bitte vervollständigen Sie die folgenden Sätze:

2017 ist…
J: das Jahr vor 2018 und meinem 80. Geburtstag

Die wichtigste Person in meinem Leben ist…
J: meine Frau Deirdre

Das Glas ist halb…
J: voll

P: Bitte wählen Sie:

Fleisch oder Gemüse?
J: Gemüse

Bier oder Wein?
J: Wein

Anzug oder Jeans?
J: Anzug

Brief oder E-Mail?
J: Brief

Tokio oder Toskana?
J: Tokio

P: Wenn Sie ein Tier sein könnten, wie würde Ihre Wahl lauten?
J: Pussycat

Mieze und Maestro

© LEVY Gallery, Hamburg, Header von links nach rechts: Maitresse Study for Screenprint III, Tinte, Bleistift, Buntstift und Kohle auf Fotopapier auf Schaumboard gezogen, 2014, Maitresse Storyboard III, Bleistift auf Papier, 2011-14, Shoe Box VII, s/w Lithografie, 1968

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